Bericht zur landwirtschaftlichen Produktion in Dortmund und Region: Betriebsstrukturen, Flächennutzung, Outputs

Ziel der statistischen Analyse landwirtschaftlicher Flächen- und Produktionsdaten ist eine differenzierte Darstellung der Landwirtschaft im Untersuchungsgebiet im Hinblick auf Betriebsstrukturen, Flächennutzung, Outputs und Tierhaltung.

Das Untersuchungsgebiet besteht aus Dortmund und umliegenden Kreisen und kreisfreien Städten, gemäß der Definition des Einzugsgebiets für regionale Beschaffung im engsten Sinne des Projektverständnis1. Angrenzende Kreise und kreisfreie Städte sind Bochum, Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen, Herne, Recklinghausen und Unna. Sofern verfügbar, werden Daten auf Kreisebene/kreisfreien Städten ausgewertet und in den landesweiten Kontext gesetzt. Übrige Daten liegen auf Ebene des Regierungsbezirkes Arnsberg vor.

Datengrundlage der Auswertungen sind vor allem die Agrarstrukturerhebung/Landwirtschaftszählung 2020 2 (Statistisches Bundesamt) sowie der Atlas Agrarstatistik Deutschland 20253 (Statistische Ämter des Bundes und der Länder). Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte nach deskriptiven Analysen in Microsoft Excel. Dabei wurden Kennzahlen berechnet, grafisch aufbereitet und vergleichend dargestellt.

  • Nach der Agrarstrukturdatenerhebung von 2020 bewirtschafteten im Untersuchungsgebiet 1.685 Betriebe eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 70.875 ha5
  • Davon bewirtschafteten 69 Betriebe unter ökologischen Kriterien 3.096 ha.
  • Der Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe an den landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt betrug 2020 folglich 4,1 % (flächenmäßig 4,4 %)6.
  • Damit liegt der Flächenanteil ökologischer Landwirtschaft unter jenem des Landes NRW (6,1 %) und unter dem bundesweiten Anteil (11,2 %). In der Bio-Strategie 2030 hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) den Zielwert eines Öko-Anteils von 30 % bis zum Jahr 2030 festgelegt7.
  • Den geringsten Anteil an Ökobetrieben weist Herne mit null Betrieben auf, den größten Hagen mit 10,3 %. Dortmund liegt bei einem Anteil von 6,5 % (sechs von 93 Betrieben)7.
  • Von 1.238 Gemüsebaubetrieben in Nordrhein-Westfalen wirtschaften 205 unter ökologischen Kriterien. Flächenmäßig macht die ökologische Erzeugung von Gemüse 16 % aus (4.114 von 25.841 ha). Die höchsten Outputs (Erntemenge in t) erzielen Öko-Gemüsebetriebe mit Wurzel- und Knollengemüse (56.322 t), Fruchtgemüse (10.974 t), Blatt- und Stängelgemüse (10.311 t) und Kohlgemüse (10.276 t). Hülsenfrüchte bilden die kleinste Gruppe an Erzeugnissen mit 5.579 t. Auf Kreisebene liegen keine Daten vor.
Figur 1: Ökologisch bewirtschaftete Fläche 2020 Dortmund und umliegende Kreise/kreisfreie Städte (Agraratlas 2025, eigene Darstellung).

In NRW agieren vier Bio-Anbauverbände mit unterschiedlicher Mitgliederstärke in den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung und Handel. Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis sind unter dem Dach der Landesvereinigung Ökologischer Landbau Nordrhein-Westfalen e.V. (LVÖ) zusammengeschlossen. Von rund 2.300 ökologisch wirtschaftenden land- und gartenbaulichen Betrieben (auf 93.500 ha) in NRW sind folgende Mitgliederzahlen je Anbauverband8 erfasst.

  • Bioland: 711 Betriebe auf 36.238 ha
  • Naturland: 246 Betriebe auf 16.920 ha
  • Demeter: 124 Betriebe auf 6.171 ha
  • Biokreis: 93 Betriebe auf 3.617 ha

Dazu kommen Mitgliedsbetriebe in den Bereichen Verarbeitung, Handel und Gastronomie, über die keine aktuellen Zahlen veröffentlicht sind.

In Hinblick auf die agrarische Prägung unterscheiden sich die Landkreise/kreisfreien Städte stark voneinander. Insgesamt lässt sich sagen, dass sowohl die flächenmäßige als auch die sozialstrukturelle agrarische Prägung im Untersuchungsgebiet im Vergleich zur Bundesebene niedrig ausfallen. Bis auf den Kreis Unna liegen alle Landkreise/kreisfreien Städte unterhalb des Bundesdurchschnitts mit einem prozentualen Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche an der Gesamtfläche in Deutschland von 46,5 % (Anteil in NRW bei 46,6 %)2, 9, a.

Auf Ebene der ausgewählten Kreise und kreisfreien Städte liegt die Kennzahl der landwirtschaftlichen Betriebe pro 1.000 Einwohnende als Indikator für die sozialstrukturelle agrarische Prägung der Bevölkerungsstruktur jeweils unter dem Bundeswert von 3,052, 9, b (vgl. Tabelle 1).

Kreis/kreisfreie Stadt
Betriebe
%-Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche an GesamtflächeaLandwirtschaftliche Betriebe pro 1.000 Einwohnendeb
Unna471,24 (497)
Recklinghausen321,05 (497)
Ennepe-Ruhr-Kreis281,02 (330)
Dortmund, Stadt190,16 (93)
Bochum, Stadt130,12 (44)
Hagen, Stadt120,30 (58)
Herne, Stadt90,08 (13)

Tabelle 1: Strukturkennzahlen zur landwirtschaftlichen Prägung der Region (Statistisches Bundesamt, 2020/2025).

Insgesamt lassen die Werte Rückschlüsse auf den Grad der landwirtschaftlichen Prägung zu, geben jedoch keine Auskünfte darüber, inwieweit sich die definierte Region mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen selbst versorgen kann.

Die dargestellten drei betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen überwiegen in den jeweiligen Kreisen/kreisfreien Städten11. Sofern nicht anders gekennzeichnet, liegt der Anteil am gesamten Standard-Output des Betriebes der überwiegenden Produktionsrichtung bei >⅔:

AckerbauWeideviehPflanzenbau-
Viehaltungs­verbund
c
Veredlung
Dortmund46%28%13%/
Bochum47%20%22%/
Hagen23%63%7%d/
Herne43%21%14%/
Ennepe-Ruhr-Kreis20%68%5%/
Recklinghausen30%34%/17%
Unna33%26%/19%
Gesamt30%38%/13%

Tabelle 2: Produktionsrichtungen nach Kreis/Stadt (Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), 2025).

Die Kreise/kreisfreien Städte unterscheiden sich untereinander demnach in ihren Produktionsschwerpunkten, was folgende Abbildung veranschaulicht. Im Atlas Agrarstatistik Deutschland, der auf Daten der Landwirtschaftszählung 2020 basiert, wird dargestellt, welche Produktionsrichtung in 5 x 5 km oder 10 x 10 km Rastern den größten Beitrag zum Produktionswert leistet3.

Figur 2: Überwiegende Produktionsrichtung nach Produktionswert 2020. (Agraratlas 20253, eigene Darstellung).

Die zuvor beschriebene betriebliche Ausrichtung spiegelt sich auch in der Bodennutzungsstruktur des Untersuchungsgebiets wider. So dominiert das Ackerland mit einem Anteil von rund 69 % an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche, während im ökologischen Landbau der Anteil mit 58 % etwas geringer ausfällt. Der Anteil des Dauergrünlandes ist im ökologischen Landbau hingegen mit 40 % deutlich höher als im Gesamtdurchschnitt (28 %). Dauerkulturen, wie Baum- und Beerenobst oder Nussanbau, spielen mit lediglich rund 199 Hektar eine untergeordnete Rolle im landwirtschaftlichen Nutzungsspektrum der Region2, e.

Werte in Prozent angegeben

Figur 3: Landwirtschaftliche Nutzfläche nach Bodennutzung (Statistisches Bundesamt 2020, eigene Darstellung).

Werte in Prozent angegeben

Figur 4: Flächenanteile Nutzung von Ackerland – konventionell und ökologisch gesamt (Statistisches Bundesamt 2020, eigene Darstellung).

Die vorliegenden Daten erlauben keine genaue Aussage darüber, in welchem Umfang die landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Untersuchungsgebiet unmittelbar der Humanernährung dienen. Die Struktur der angebauten Kulturen verdeutlicht jedoch eine starke Ausrichtung auf Futter- und Energiepflanzen: Rund 60 % der Ackerfläche entfallen auf Getreide zur Körnergewinnung, weitere 27 % auf Pflanzen zur Grünernte. Hackfrüchte und Handelsgewächse machen jeweils etwa 4 %, Kartoffeln und Gemüse (einschließlich Erdbeeren und anderer Gartenbaukulturen) jeweils rund 3 % sowie Hülsenfrüchte etwa 2 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. 

Bundesweite Vergleichswerte weisen darauf hin, dass nur ein Teil dieser Erzeugnisse unmittelbar für die menschliche Ernährung bestimmt ist. Während Pflanzen zur Grünernte vollständig als Futtermittel oder zur Energiegewinnung verwendet werden12, liegt der Anteil der Verwendung für die Humanernährung bei Getreide bei etwa 21 % (Nahrung) zzgl. 8 % für die industrielle Verwertung13. Von den angebauten Hülsenfrüchten werden bundesweit unter 15 % für die Herstellung von Nahrungsmitteln verwendet14.

Daten zur Tierhaltung liegen nicht auf Kreis- sondern auf Regierungsbezirkebene vor. Der Regierungsbezirk Arnsberg schließt die Kreise und kreisfreien Städte des Untersuchungsgebiets mit ein (ausgenommen Recklinghausen) und umfasst zusätzlich die kreisfreie Stadt Hamm sowie die Kreise Soest, Ennepe-Ruhr-Kreis, Märkischer Kreis, Olpe, Hochsauerlandkreis und Siegen-Wittgenstein. 

Im Jahr 2023 wurden folgende Zahlen für die Tierhaltung im Regierungsbezirk Arnsberg erfasst15:

  • 188.600 Rinder (davon 64.500 Milchkühe) wurden auf 2.850 Betrieben (davon 64.500 Milchkühe auf 1.000 Betrieben) gehalten
  • 1.845.600 Hühner wurden auf 1.060 Betrieben gehalten
  • 631.000 Schweine wurden auf 850 Betrieben gehalten
  • 19.900 Einhufer wurden auf 1.620 Betrieben gehalten
  • 51.300 Schafe wurden auf 740 Betrieben gehalten

Nachfolgende Darstellungen erlauben eine Einschätzung über die regionale Dichte der Rinder- und Schweinehaltungen im landesweiten Vergleich.

Figur 5: Übersicht der tierhaltenden Betriebe, Regierungsbezirk Arnsberg, 2023 (Eigene Darstellung2).

In ganz Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2025 rund 1,2 Millionen Rinder gehalten, wobei die Anzahl im Vergleich zum Jahr 2014 um 17 % gesunken ist. Die Schweinehaltung stellt in Nordrhein-Westfalen ebenfalls einen bedeutenden Bereich der Tierproduktion dar, wobei die regionalen Schwerpunkte traditionell im Münsterland und in Ostwestfalen liegen. Nach Angaben von IT.NRW wurden im November 2024 rund 5,8 Millionen Schweine in Nordrhein-Westfalen gehalten. Gegenüber 2014 entspricht dies einem Rückgang um etwa 1,5 Millionen Tiere17.

 Im Regierungsbezirk Arnsberg spielt die Schweinehaltung im Vergleich zum nördlichen NRW zwar eine kleinere Rolle, ist aber wirtschaftlich relevant. Dies zeigt sich insbesondere im Bereich der Verarbeitung: Rund zehn Prozent der nordrhein-westfälischen Schweineschlachtungen erfolgen im Regierungsbezirk Arnsberg. Landesweit stellen Schweine mit einem Anteil von 96,5 Prozent die am häufigsten verarbeitete Tierart im Schlachtgewerbe ohne Geflügel dar. Rinder folgen mit einem Anteil von rund drei Prozent17.

Aus NRW-weiten Vergleichsdaten lässt sich erkennen, dass die Schweine- und Rinderhaltung mengenmäßig die wichtigsten Produktionsrichtungen darstellen, während Geflügel-, Schaf- und Pferdehaltungen insgesamt eine geringere Bedeutung haben und häufig im Nebenerwerb betrieben werden16. Dieses Muster spiegelt sich in den vorliegenden Daten für Arnsberg zumindest in Teilen wider.

Die Untersuchungsregion erweist sich in der differenzierten Auswertung als divers, sowohl die Flächennutzung und Outputs als auch die agrarische Prägung betreffend. Der Gemüsebau spielt eine untergeordnete Rolle. Mit einem Anteil ökologisch genutzter Flächen von 4,4 % liegt die Region unterhalb des Durchschnitts NRWs von 6,1 % und unterhalb des Bundesdurchschnitts von 11,2 %. Um bis 2030 das Ziel zu erreichen, 30 % der Flächen ökologisch zu bewirtschaften, muss sich der Anteil folglich fast versiebenfachen – hier wird deutlich, dass mit der Arbeit an der Agrar- und Ernährungswende, wie sie von Projekten wie FoodConnectRuhr unterstützt wird, relevante Ziele verfolgt werden.

Die Datengrundlage gibt keine Auskunft über die Verwendung der Erzeugnisse (Humanernährung, Tierernährung, Industrie, Energie). Weiterhin sind detaillierte Berechnungen zum Selbstversorgungsgrad der Region wichtig, um die Offenheit/Geschlossenheit des Marktes für Agrarerzeugnisse in der Region beurteilen und eindeutig Defizite in der Produktion/Verarbeitung aufzeigen zu können.* Vor dem Hintergrund verstärker Forderungen nach einer überwiegend pflanzenbasierten Ernährung sowie kommunalen Bemühungen, den Anteil (bio-)regionaler Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen, ist es notwendig, die regionalen Wertschöpfungsketten transparent zu machen. Belege für sich (notwendigerweise) ändernde Anforderungen an die Ernährungsweisen finden sich u.a. im Trendreport Ernährung, in dem “pflanzenbetonte und flexitarische” Ernährung unter den Ernährungstrends 2025 Rang 1 einnimmt, was sich auch in dem gegenwärtigen Speisenangebot der Gemeinschaftsverpflegung bemerkbar mache18 (Trendreport Ernährung 2025: Es wird gesund, flexibel und selbstbestimmt). Die EAT-Lancet Kommission schlägt in ihrem aktuellen Bericht mit der planetary health diet eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährungsweise vor (kulturelle Unterschiede berücksichtigend). Diese bringt gegenüber unserem gegenwärtigen Lebensmittelkonsum gesundheitliche sowie ökologische Verbesserungen mit sich und trägt sogar entscheidend dazu bei, planetare Grenzen einzuhalten und Klima- und Umweltschutzziele zu verfolgen19.

Unter den Ernährungsstrategien auf Landesebene ist beispielhaft jene aus Baden-Württemberg hervorzuheben: demnach soll der vermehrte Einsatz bio-regionaler Produkte in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung Vorbildcharakter haben20. Die Bio-Stadt Bremen verfolgt seit 2018 das im “Aktionsplan 2025” festgelegte Ziel, mit besonderem Schwerpunkt auf die Kita- und Schulverpflegung, eines hundertprozentigen Bio-Anteils, regionale Wertschöpfung soll in den Umstellungsprozessen mitgedacht werden21.

Figur 1: Ökologisch bewirtschaftete Fläche 2020 Dortmund und umliegende Kreise/kreisfreie Städte

Figur 2: Überwiegende Produktionsrichtung nach Produktionswert 2020

Figur 3: Landwirtschaftliche Nutzfläche nach Bodennutzung

Figur 4: Flächenanteile Nutzung von Ackerland – konventionell und ökologisch gesamt

Figur 5: Übersicht der tierhaltenden Betriebe, Regierungsbezirk Arnsberg 2023

Figur 6: Rinderbestand pro 100 ha, 2020

Figur 7: Schweinebestand pro 100 ha, 2020

Tabelle 1: Strukturkennzahlen zur landwirtschaftlichen Prägung der Region

Tabelle 2: Produktionsrichtungen nach Kreis/Stadt 

  1. FoodConnectRuhr (2025): Vom Acker auf den Teller, https://foodconnectruhr.de/projekt/ (letzter Zugriff: 31.10.2025). ↩︎
  2. Statistisches Bundesamt (2020): Landwirtschaftszählung 2020, https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftszaehlung2020/_inhalt.html (letzter Zugriff: 31.10.2025). ↩︎
  3. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2025): Atlas Agrarstatistik Deutschland, https://agraratlas.statistikportal.de/ (letzter Zugriff: 31.10.2025). ↩︎