Bio-Regio-Stammtisch: Synergien erkunden

Freitagnachmittag, 30 Grad und blauer Himmel: Beste Voraussetzungen, um die Woche ausklingen zu lassen. Für die Teilnehmenden des 7. Bio-Regio-Stammtischs ging es deswegen zum Hevener Feld ↗ in Witten. Dort warteten nicht nur knackfrische Salate direkt vom Acker, sondern auch spannende Einblicke in gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft und die Frage, wie mehr feldfrische Lebensmittel ihren Weg in die Gemeinschaftsverpflegung finden können.

Einblicke in die Arbeit auf dem Hevener Feld

Empfangen wurden die Teilnehmenden aus Landwirtschaft, Handel und Gemeinschaftsverpflegung von Matthias Brohl, der das Hevener Feld gemeinsam mit Jonas Dietrich im Jahr 2020 gegründet hat. Was auf einer „blanken Wiese“ begann, ist heute ein bio-zertifizierter Betrieb mit rund 250 Abokisten für Haushalte aus Witten und Umgebung.

Die ursprüngliche Idee war die Gründung einer Solidarischen Landwirtschaft. Das Prinzip: Die Mitglieder finanzieren den Betrieb gemeinschaftlich und erhalten im Gegenzug regelmäßig frisches Gemüse. Für Matthias ist diese enge Verbindung entscheidend: „Wir brauchen eine verlässliche Beziehung, um planen zu können. Wir pflanzen den Salat, wenn die Leute ihn kaufen.“

Während der Führung über das Feld wurde deutlich, dass hier auf Handarbeit, Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit gesetzt wird. Über 70 verschiedene Kulturen wachsen über das Jahr nach dem Prinzip des Market Gardenings und nach ökologischen Standards im Rhythmus der Jahreszeiten.

Das Hevener Feld versteht sich zudem als offener Betrieb. Landwirtschaft sei nicht nur Lebensmittelproduktion, sondern schaffe auch Begegnung, Bildung und Bezug zur eigenen Region. Gerade in dicht besiedelten Regionen wie dem Ruhrgebiet seien geeignete Flächen für neue Betriebe jedoch schwer zu finden. Dabei könnten wohnortnahe Anbauflächen weit mehr leisten als die reine Versorgung mit Lebensmitteln. Deswegen wäre es wünschenswert, wenn Kommunen Flächen bereitstellten.

Zwischendurch durfte natürlich auch probiert werden: Frisch geerntete Salate zeigten eindrucksvoll, was Matthias später in einem Satz zusammenfasste: „Regionalität kann Frische, Geschmack und Haltbarkeit.“

Frische Zutaten in der Gemeinschaftsverpflegung

Nach der Feldführung ging der Austausch bei kühlen Getränken weiter. Ruben von Schwanenflügel, Koch an der Windrather Talschule ↗, berichtete aus der langjährigen Praxis einer Schulverpflegung, die konsequent auf frische und ökologische Lebensmittel setzt. Der gelernte Koch verantwortet täglich rund 250 Mittagessen für Kinder und Erwachsene. Unterstützt wird er dabei von vier Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 10, die aktiv in den Küchenalltag eingebunden sind.

Neben dem Biogroßhandel spielen regionale Höfe eine wichtige Rolle bei der Beschaffung. Die Speiseplanung orientiert sich nämlich neben den Wünschen der Kinder insbesondere am saisonalen Angebot der Erzeuger. Was verfügbar ist, landet möglichst zeitnah auf dem Teller. Dass frisches Gemüse bei Kindern gut ankommt, zeigen beliebte Gerichte wie die Asia-Nudeln mit viel Gemüse.

Bemerkenswert ist auch die Haltung der Schule zur Mitfinanzierung des Angebots. Für Ruben von Schwanenflügel ist die Investition in hochwertige Verpflegung eine Frage der Prioritäten: „Es wäre doch fatal, wenn wir kein Geld für die Gesundheit unserer Kinder einsetzen.“

Mit seinem Konzept „Küche bildet ↗“ möchte er seine Erfahrungen künftig auch anderen Einrichtungen zugänglich machen und zeigen, wie hochwertige Gemeinschaftsverpflegung praktisch umgesetzt werden kann.

Austausch zu Chancen und Herausforderungen

Im anschließenden Austausch diskutierten die Teilnehmenden, wie regionale und feldfrische Lebensmittel stärker in der Gemeinschaftsverpflegung eingesetzt werden können. Deutlich wurde dabei, dass die Verarbeitung frischer Ware oft zusätzliche Anforderungen an Küchenabläufe, Personal und Infrastruktur stellt. Auch Hygienevorgaben wurden als Herausforderung benannt. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass regionale Frischeprodukte große Vorteile für Geschmack, Qualität, Haltbarkeit und die regionale Wertschöpfung bieten.

Der 7. Bio-Regio-Stammtisch zeigte eindrucksvoll, wie Landwirtschaft und Gemeinschaftsverpflegung voneinander profitieren können. Kurze Wege, persönliche Handelsbeziehungen und hochwertige Lebensmittel schaffen die Grundlage für regionale Ernährungssysteme, die nicht nur nachhaltig, sondern auch erlebbar sind.