Mehr Kopenhagen wagen: Impulse für die Ernährungswende in Dortmund

Eine gesunde, nachhaltige und bezahlbare Gemeinschaftsverpflegung für alle – das ist das große Ziel, an dem wir bei FoodConnectRuhr tagtäglich arbeiten. Dass dieser Weg nicht nur richtig, sondern auch absolut machbar ist, zeigte kürzlich eine inspirierende Delegationsreise nach Kopenhagen. Als Teil einer Dortmunder Delegation ging es für den Ernährungsrat Dortmund und Region e.V. in Dänemarks Hauptstadt, die als echter Hotspot für innovative Gemeinschaftsverpflegung gilt.

Von der Theorie in die Praxis: Zwei Tage voller Inspiration

Dänemark hat sich – trotz der europaweit höchsten Schweinezuchtrate pro Kopf – ambitionierte Ziele gesetzt und zeigt eindrucksvoll, wie die Transformation gelingen kann. Innerhalb von nur zwei Tagen wartete ein straffes und hochspannendes Programm auf die Delegation. Die Stationen boten einen Rundumblick über die gesamte Verpflegungskette:

  • Netzwerk & Ausbildung: Besuche beim Bauernverband und einer Berufsschule für Gastronomie, die in der Ausbildung völlig neue, zukunftsweisende Wege geht.
  • Großküche vs. Selbstkochend: Der Einblick in die stadteigene Großküche für Schulverpflegung zeigte, wie Masse und Qualität zusammenpassen. Im Gegensatz dazu stand der Besuch einer selbstkochenden Schule, in der Schülerinnen und Schüler aktiv mit am Herd stehen.
  • Krankenhausverpflegung neu gedacht: Ein Krankenhaus, das Essen à la carte serviert, bewies, dass Patientenzufriedenheit und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können.
  • Selbst anpacken: Im bekannten House of Food wurde nicht nur theoretisch diskutiert, sondern selbst der Kochlöffel geschwungen. Probieren und der wertvolle Austausch kamen dabei nie zu kurz.

Die entscheidenden Hebel für den Wandel

„Die Reise nach Kopenhagen bestätigt uns darin, dass die Maßnahmen, die wir mit FoodConnectRuhr anstoßen, in die richtige Richtung gehen“, resümiert Alexandra Jaik, Projektkoordinatorin von FoodConnectRuhr. „Dänemark ist uns einige Schritte voraus, aber genau das macht die Impulse aus dem Besuch der Hauptstadt so wertvoll. Wir haben dort gesehen, wie viel möglich ist, wenn Politik, Verwaltung, Küchen und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln.”

Besonders deutlich wurde während der Exkursion, welche Stellschrauben die dänischen Kolleginnen und Kollegen nutzen – und die auch für Dortmund wegweisend sind:

  1. Den Bio-Anteil konsequent erhöhen
  2. Den Fleischanteil auf den Speiseplänen reduzieren
  3. Lebensmittelverschwendung aktiv verringern
  4. Die öffentliche Beschaffung als Motor für regionale Wertschöpfung nutzen

Kopenhagen beweist: Wenn diese Hebel bewegt werden, profitieren die regionale Landwirtschaft, das Klima und die Umwelt. Gleichzeitig bleiben die Kosten im Rahmen, während gesellschaftliche Folgekosten – etwa durch Mangelernährung – langfristig gesenkt werden.

Was wir mit nach Dortmund nehmen

Mit einer Menge ansteckender Begeisterung und einer klaren Bestätigung im Gepäck kehrt das Team zurück nach Dortmund. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen genau zur richtigen Zeit: In Dortmund steht der Beginn des Ernährungstrategieprozesses bevor, während gleichzeitig der Qualitätsrahmen für die Schulverpflegung umgesetzt wird.

Spannend bleibt nun, wie sich die jüngsten politischen Veränderungen in Dänemark (wie die Integration des Landwirtschaftsministeriums in andere Ressorts) auswirken – und vor allem, wie wir die Impulse hier vor Ort in die Tat umsetzen.

Als Teil des Modellregionenwettbewerbs „Besser essen in der Region“, gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), wird FoodConnectRuhr weiterhin alle relevanten Akteure – von der Landwirtschaft über den Handel bis zur Großküche und Zivilgesellschaft – zusammenbringen. Unser Fazit nach dieser Reise steht jedenfalls fest: Wir müssen mehr Kopenhagen wagen!

Zu der Exkursion nach Kopenhagen wurde auch eine Pressemitteilung herausgegeben.