Vom Acker bis auf den Teller

Durch die Nachfrage nach regionalen und Bio-Lebensmitteln schaffen wir Anreize für den Ausbau der regionalen Landwirtschaft und angepasster Logistik.

Über Unterstützungsangebote wird der Zugang zu gesundem und nachhaltigem Essen auch für finanziell schwache Haushalte ermöglicht.

Wir beraten zu der Umsetzung von nachhaltigen und gesunden Speiseplänen in Kantinen, Schulen, Kitas und Mensen.

Durch regelmäßige Netzwerkveranstaltungen & partizipative Formate fördern wir Kooperationen, und verbreiten regionsspezifisches Wissen.

Ein zentrales Ziel von FoodConnectRuhr ist der Aufbau und die Verstetigung eines tragfähigen regionalen Netzwerks, das alle relevanten Akteure – von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und den Handel bis hin zur Außer-Haus-Verpflegung, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – zusammenbringt. Richtungsweisend ist dabei das Leitbild einer sozial gerechten und ökologischen Ernährungswende, die den gesamten Prozess — vom Acker bis auf den Teller — überdenkt. FoodConnectRuhr dient als Hebel, um isoliertes Arbeiten zu überwinden, vorhandene Strukturen zu stärken und langfristig eine gemeinschaftliche Transformation des Ernährungssystems in der Region zu fördern.

Das Projekt FoodConnectRuhr ist im November 2024 gestartet und wird bis Herbst 2027 regionale Lebensmittel-Wert­schöpfungs­ketten in Dortmund und der Region (mit)gestalten. Im Rahmen des bundesweiten Modell­regionen­wett­bewerbs „Ernährungs­wende in der Region“ wird das Vorhaben durch das Bundes­ministerium für Land­wirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert. Eine Liste aller Modell­regionen-Projekte findest du auf der Website des Wettbewerbs ↗

Regionale Wert­schöpfungs­ketten

Vom Acker bis auf den Teller — Eine Beschreibung für unsere Arbeit entlang der gesamten regionalen Wertschöpfungsketten. Wir etablieren neue Strukturen, fördern stabile Beziehungen und schaffen Wissen für faire Erzeugerpreise und den Erhalt regionaler Arbeitsplätze. Ein Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von Transparenz und dadurch Sichtbarkeit. Der direkte Austausch auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten steht dabei im Mittelpunkt unserer Arbeit.

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Regionale Wertschöpfungsketten sind gleichzusetzen mit kurzen Wertschöpfungsketten und stehen im Gegensatz zu langen, globalen Wertschöpfungsketten. Im Fokus von FoodConnectRuhr steht die gesamte Prozesskette von der landwirtschaftlichen Urproduktion bis hin zur Gemeinschaftsverpflegung – also vom Acker bis auf den Teller.

Diese Kette umfasst verschiedene aufeinander abgestimmte Schritte: Zunächst erfolgt die landwirtschaftliche Urproduktion und anschließend die (handwerkliche) Verarbeitung bzw. Vorverarbeitung der Lebensmittel speziell für die Bedarfe der Gemeinschaftsverpflegung. Dazu gehören Tätigkeiten wie z.B. das Waschen, Schälen, Schneiden oder Garen von Gemüse. Darauf folgen die Bündelung und die logistische Verteilung der Produkte sowie schließlich die Zubereitung und der Konsum – das zugrunde liegende Prinzip lautet: „Aus der Region – für die Region“1

Sowohl ökologische als auch konventionelle Betriebe sind eingeladen, ins Gespräch über neue Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen zu kommen: Wie können regional und nachhaltig erzeugte Lebensmittel gebündelt Eingang in die Außer-Haus-Verpflegung finden? Mit diesem Ansatz verfolgt FoodConnectRuhr das Ziel, die Ökologisierung des Agrar- und Lebensmittelsystems aktiv voranzubringen.

Das übergeordnete Ziel besteht darin, neue regionale Strukturen zu etablieren oder zu reaktivieren, stabile Beziehungen entlang der Wertschöpfungskette zu fördern und regionsspezifisches Know-how zu generieren, bündeln sowie zu verbreiten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von Transparenz entlang der einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette. Dadurch soll die regionale Wertschöpfung gesichert und gestärkt werden – etwa durch faire Erzeugerpreise, die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen sowie Zugewinne für regionale Zwischenhändler.

Neben der physischen Bewegung der Lebensmittel steht im Projekt auch der direkte Austausch zwischen den Akteuren im Mittelpunkt. Die Kommunikation auf Augenhöhe innerhalb der Wertschöpfungskette fördert gegenseitige Wertschätzung. So wird der zunehmenden Entfremdung der Konsument*innen von der landwirtschaftlichen Urproduktion und den bäuerlichen Lebensrealitäten entgegengewirkt. Wünsche der Konsument*innen hinsichtlich Nachhaltigkeit, Tierwohl oder Geschmack können im Idealfall klar adressiert und sichtbar gemacht werden.

Ernährungsarmut

Zur Bekämpfung von Ernährungsarmut möchten wir den Zugang zur gesunder und nachhaltiger Ernährung, besonders in Schulen und Kitas, fairer gestalten. Denn die Kita- und Schulverpflegung stellt ein wichtiges „Sicherheitsnetz” für eine gesunde Ernährung von Kindern dar, insbesondere für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten.2 Wir vernetzen bestehende Initiativen in der Stadtverwaltung und entwickeln neue, ressortübergreifende Maßnahmen. Ein wichtiger Schritt ist dabei die bessere Erfassung von Ernährungsarmut durch eine Arbeitsgruppe mit externen Partnern, um gezielte Hilfen zu ermöglichen. Zudem fördern wir den Austausch zwischen allen relevanten Akteuren für eine gerechte Ernährungswende vor Ort.

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„Ernährungsarmut ist als eine qualitativ oder quantitativ unzureichende Ernährung zu verstehen, die auf verschiedenen Ursachen beruhen kann. Dazu zählen unter anderem unzureichender Zugang zu gesunder und nachhaltiger Ernährung oder mangelnde Ernährungskompetenzen. Dies kann zu gesundheitlichen und sozialen Einschränkungen führen.“3

Die hohe Armutsgefährdungsquote von 22,1 % in Dortmund (Stand 2023) weist auf ein erhöhtes Risiko für Ernährungsarmut in der Dortmunder Bevölkerung hin.4 Daher ist es eins der Hauptziele von FoodConnectRuhr dagegen anzugehen. Wir entwickeln Maßnahmen, um den Zugang zur Gemeinschaftsverpflegung – insbesondere an Dortmunder Schulen und Kitas – fairer und inklusiver zu gestalten. Dazu werden koordinierende Strukturen in der Stadtverwaltung und in der Stadtgesellschaft aufgebaut, um gemeinsames Handeln zu verbessern.

Durch eine ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung werden bereits bestehende Ansätze und Maßnahmen zur Bekämpfung von Ernährungsarmut bekannt gemacht und vernetzt, sowie weitere Maßnahmen geplant und umgesetzt. Dabei bündeln wir Fachwissen und Ressourcen aus verschiedenen Verwaltungsbereichen. Das Projekt steht zudem im Austausch mit anderen Städten und Modellregionen, um voneinander zu lernen und neue Ideen zu entwickeln. Ein zentrales Thema ist dabei die langfristige Finanzierbarkeit von gesundem Essen — besonders in der Gemeinschaftsverpflegung.

Eine Herausforderung bei dem Thema ist die fehlende statistische Erfassung, daher treffen wir Vorbereitungen, um das Ausmaß von Ernährungsarmut besser zu erfassen. In einer Arbeitsgruppe mit externen Partnern — darunter Fachämter, Hochschulen, soziale Einrichtungen und die Verbraucherzentrale — sollen dabei auch die soziale Teilhabe, Mangelernährung oder ernährungsbedingte Krankheiten berücksichtigt werden. Diese Daten helfen dabei, gezielt Maßnahmen in bestimmten Stadtteilen umzusetzen.

Mit Dialogveranstaltungen fördert FoodConnectRuhr außerdem den Austausch zwischen Akteuren aus den Bereichen Ernährung, Soziales und Gesundheit — für eine vernetzte und gerechte Ernährungswende vor Ort.

Gemeinschafts­ver­pflegung

Die Gemeinschaftsverpflegung ist entscheidend für die Ernährung in Deutschland: Täglich werden rund 40 Millionen Mahlzeiten in Kitas, Schulen, Kantinen und Kliniken ausgegeben. Dadurch ist sie ein bedeutender Hebel für die Ernährungswende. Wir beraten und unterstützen dabei, das Angebot nachhaltiger zu gestalten. Ein Teil davon ist zum Beispiel die Umstellung auf regionale Zutaten sowie Bio-Produkte. Dies kann etwa durch fleischreduzierte oder pflanzliche Gerichte, die die Kosten senken, ermöglicht werden.

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Für die Ernährung der breiten Bevölkerung in Deutschland spielt die Gemeinschaftsverpflegung (GV) eine zentrale Rolle. In den Kantinen und Mensen von Kitas und Schulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie Betrieben und Studierendenwerken werden täglich rund 40 Millionen Mahlzeiten ausgegeben.5

Die Einrichtungen werden von öffentlichen und privaten Träger betrieben. Darunter sind Einrichtungen, die die Speisen in ihren Küchen selbst zubereiten oder durch Pächter zubereiten lassen, und diejenigen, die von sowohl großen, überregionalen Cateringunternehmen als auch zahlreichen kleinen und mittelständischen Betrieben Speisen produzieren und liefern lassen.6

Dabei ist eine der größten Herausforderungen in der Gemeinschaftsverpflegung der Kostendruck und die damit verbundene Preisgestaltung der Gerichte. Durch begrenzte Budgets und Ausschreibungsvorschriften wird vor allem in öffentlichen Einrichtungen meist das wirtschaftlichste Angebot priorisiert. Durch gesellschaftliche Erwartungen und auch politische Vorgaben steigt jedoch der Anspruch an die Nachhaltigkeit des Speisenangebots, insbesondere mehr pflanzenbasiert zu kochen sowie bio-regionale Zutaten einzusetzen.7 Die Umstellung auf regionale und saisonale Produkte dient zum einen der Umwelt, stärkt zum anderen die regionale Landwirtschaft und erhöht die Transparenz für die Gäste.8 Kosteneffiziente Lösungen, wie die Reduktion von Fleisch, der erhöhte Einsatz pflanzlicher Zutaten sowie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, können helfen, ein nachhaltiges Speisenangebot wirtschaftlich tragfähig zu erhalten.9 Gleichzeitig ist es entscheidend, die Gäste durch eine transparente und wertschätzende Kommunikation mitzunehmen, ihre Bedenken beispielsweise gegenüber geschmacklichen oder finanziellen Änderungen ernst zu nehmen und die Vorteile der Umstellungen klar zu vermitteln.

Mit ihrem hohen Nachfragevolumen ist die GV ein bedeutender Hebel, um nachhaltige Ernährungssysteme zu fördern und die Transformation hin zu mehr Klimafreundlichkeit und Gesundheit aktiv mitzugestalten. Für die erforderlichen Umstellungen in den Bereichen Speiseplanung, Einkauf, Zubereitung oder auch Lebensmittelabfallvermeidung, braucht es unterstützende Maßnahmen, die wir mit diesem Projekt gezielt bereitstellen.

Kommunikation & Netzwerk

Vom Acker bis auf den Teller steht für den Aufbau eines tragfähigen regionalen Netzwerks. Wir bringen Akteure aus Landwirtschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Durch Veranstaltungen, Dialoge und Beratungsangebote entstehen Kooperationen und Lösungsansätze für eine sozial gerechte und ökologische Ernährungswende. Ein Schwerpunkt liegt auf der Einbindung aller Zielgruppen für langfristige Zusammenarbeit.

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Das Projekt bringt vielfältige Akteure aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung, Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft in Dortmund und der Region zusammen. Durch regelmäßige Netzwerkveranstaltungen, Dialogformate und Beratungsangebote wird ein kontinuierlicher Austausch gefördert. So entstehen neue Kooperationen, gemeinsames Verständnis und konkrete Lösungsansätze für eine sozial gerechte und ökologische Ernährungswende.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einbindung der verschiedenen Zielgruppen, von der Landwirtschaft über kommunale Einrichtungen bis hin zu Verbänden und bereits bestehenden Netzwerken. Mithilfe der Net-Map-Methode wird eine Netzwerkkarte erstellt, diebestehende Beziehungen, Bedarfe und Potenziale sichtbar macht. Auf dieser Grundlage kann ein dynamisches Netzwerk wachsen, das bestehende Strukturen stärkt und neue Verbindungen schafft. FoodConnectRuhr fördert aktiv den Austausch zwischen kommunalen und überregionalen Partnern, um voneinander zu lernen und gemeinsam innovative Ansätze zu entwickeln und umzusetzen. Die Kommunikation unserer Formate und Ergebnisse erfolgt dabei sowohl analog als auch digital. So wird einerseits das isolierte Arbeiten zwischen Fachbereichen überwunden, andererseits die Grundlage für langfristige Zusammenarbeit und nachhaltige Wirkung geschaffen.

Gemeinschaftsverpflegung

Gemeinschaftsverpflegung (GV) ist als ein Teilbereich der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) zu verstehen und bezeichnet die organisierte Verpflegung in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Betrieben oder Studierendenwerken.

Täglich werden in Deutschland etwa 40 Millionen Mahlzeiten in diesem Bereich ausgegeben10. Die Speisen werden entweder vor Ort zubereitet oder durch externe Cateringunternehmen geliefert. Die GV steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche Vorgaben mit gesellschaftlichen und politischen Anforderungen an Nachhaltigkeit zu vereinen. Dabei spielt sie durch ihr großes Nachfragevolumen eine zentrale Rolle bei der Umstellung auf ein klimafreundliches und nachhaltiges Ernährungssystem.

Nachhaltige Ansätze wie der Einsatz regionaler Produkte, mehr Bio-Zutaten und eine fleischreduzierte Kost dienen dem Umweltschutz und können die Gesundheit fördern, wenn sie wirtschaftlich tragfähig umgesetzt und transparent kommuniziert werden.

Ernährungswende

Die Ernährungswende beschreibt den umfassenden Wandel hin zu einem Ernährungssystem, das ökologisch nachhaltig und zugleich sozial gerecht ist. Sie geht weit über einzelne Ernährungsentscheidungen hinaus und betrachtet das gesamte System: von der landwirtschaftlichen Erzeugung über Verarbeitung, Handel und Konsum bis hin zur Entsorgung.

Zum Ernährungssystem gehören jedoch nicht nur die Lebensmittel-Wertschöpfungsketten. Auch Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Technik sowie Gesellschaft und Kultur prägen maßgeblich, wie wir Lebensmittel produzieren, verteilen und konsumieren. All diese Ebenen beeinflussen zentrale Fragen von Gesundheit, sozialer Teilhabe, Umwelt- und Klimaschutz sowie Tierwohl.

Soziale Teilhabe und Mitbestimmung sind dabei eng mit ökologischen Zielen verbunden: Nur wenn alle Menschen Zugang zu gesunder Ernährung haben und in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, lassen sich Veränderungen nachhaltig und gerecht gestalten. Denn ökologische Verantwortung – wie die Einhaltung der planetaren Grenzen – kann nur gemeinsam getragen werden, wenn sie mit sozialer Gerechtigkeit Hand in Hand geht.

Die Ernährungswende verbindet daher ökologische Ziele – etwa den Schutz von Böden, Wasser, Artenvielfalt und Klima – mit sozialen Anliegen wie fairen Arbeitsbedingungen, gerechtem Zugang zu gesunder Ernährung und der Stärkung regionaler Wertschöpfung. Sie ist ein gemeinschaftliches Projekt von Politik, Wirtschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft, das nachhaltige Strukturen schafft, damit gutes Essen für alle möglich wird.

Ernährungsarmut

Ernährungsarmut beschreibt eine Situation, in der Menschen sich nicht ausreichend oder nicht gesund ernähren können.11 Das heißt, es geht es nicht nur um zu wenig Essen, sondern auch um eine schlechte Qualität der Ernährung, z.B. durch mangelnde Nährstoffe. Hauptursachen für Ernährungsarmut ist  ein begrenzter Zugang zu frischen, gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln, weil diese teurer oder schwerer verfügbar sind. Zusätzlich können fehlende Ernährungskompetenzen Ernährungsarmut verschärfen. Die Folgen sind gravierend: höhere Gesundheitsrisiken durch ernährungs(mit)bedingte Krankheiten, sowie soziale Ausgrenzung. Besonders für Kinder kann Ernährungsarmut zu langfristigen Nachteilen führen.

Zwar fehlen bislang offizielle Statistiken zu Ernährungsarmut, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt jedoch, dass in Deutschland ca. 3 Millionen Menschen von Ernährungsarmut betroffen sind.12 Dabei tragen armutsgefährdete Haushalte ein besonderes Risiko für Ernährungs­armut. Die hohe Armuts­gefährdungs­quote von 22,1 % in Dortmund (Stand 2023) weist daher auf besonderen Handlungs­bedarf hin.13 

Lebensmittel­ver­schwend­ung

Jährlich fallen in Deutschland rund 2 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle in der Außer-Haus-Verpflegung an, was etwa 18 % der gesamten Lebensmittelabfälle entspricht.14 Die nicht genutzten Lebensmittel belasten die Umwelt, da die Ressourcen (z.B. Wasser, Energie, landwirtschaftliche Flächen oder Dünger), die auf ihrem Weg bis auf den Teller erforderlich sind, verschwendet werden. Damit einher gehen zudem finanziellen Verluste für die Betriebe, wenn die eingekauften Lebensmittel in der Tonne landen. Durch gezielte Maßnahmen in der Speiseplanung. bei der Ausgabe oder der Restverwertung können Küchen bis zu 30–50 % ihrer Lebensmittelabfälle einsparen.15

Ernährungssystem

Ein lokales Ernährungssystem ist weit mehr als nur die Mahlzeit auf dem Teller. Es handelt sich um ein komplexes Geflecht aus direkten und indirekten Aktivitäten und Beziehungen. Es umfasst alle relevanten Akteure – von der Stadtverwaltung über Unternehmen und Vereine bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern – sowie sämtliche Bereiche des Lebensmittelkreislaufs: von der Produktion, über die Verarbeitung, Verteilung und Zubereitung bis hin zum Konsum und zur Entsorgung.16

Wertschöpfungskette

Die Lebensmittel-Wert­schöpfungs­kette (WSK) umfasst sämtliche Stufen, die ein Lebensmittel durchläuft – von der Urproduktion auf dem land­wirtschaf­tlichen Betrieb bis auf den Teller der Konsument*innen (in Privat­haushalten oder in der Gemein­schafts­verpflegung). Im weiteren Sinne gehören auch der vorgelagerte Bereich, z.B. die Produktion von Dünge- oder Futter­mitteln, sowie der Umgang mit Lebens­mittel­abfällen zur Wertschöpfungs­kette. Mit jeder weiteren Stufe entlang der WSK wird zusätzlicher ökonomischer Wert geschaffen.

Eine “Regionalisierung” der WSK (d.h. neben starken globalen Versorgungs­strukturen werden regionale/lokale Ernährungs­systeme besonders gefördert) bringt mit sich, dass die regionale Wertschöpfung (z.B. durch zusätzliche Arbeitsplätze), Wertschätzung gegenüber den Produzent*innen und Identifikation mit der Region gestärkt werden und sich die Transportwege verkürzen.17 Herausfordernd ist u.a. Konzentrations­prozessen zu Lasten kleinbäuerlicher Strukturen und klein- und mittelständischer Lebensmittel-Verarbeitungs­betriebe zu begegnen. Verarbeitungs- und Logistiklücken gilt es für den Aufbau resilienter (widerstandsfähiger/krisenfester) regionaler Strukturen zu schließen.

Fußnoten / verwendete Literatur
  1. Definitionen des Bundesverband der Regionalbewegung e.V. ↩︎
  2. BMLEH (2023) Ernährungsarmut unter Pandemiebedingungen, www.bmleh.de ↩︎
  3. BMLEH (2024) Gutes Essen für Deutschland – Ernährungsstrategie, www.bmleh.de ↩︎
  4. IT.NRW (2024): NRW: 3,3 Millionen Menschen waren 2023 armutsgefährdet. www.it.nrw ↩︎
  5. BzfE (2025): Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung, Mensa, Kantine und Co. für die Ernährungstransformation nutzen. www.bzfe.de ↩︎
  6. Pfefferle, H., Clausen, K., Hagsphil, S. (2021): Gemeinschaftsverpflegung in Deutschland – Stellenwert und Strukturen, Ernährungs Umschau, 8/2021. www.ernaehrungs-umschau.de ↩︎
  7. Edringer, C., Roehl, R. Stengel, E. (2023): Besser essen in Kantinen und Mensen, Analyse der Anbieter- und Nachfrageseite anhand von Beispielen guter Praxis und Handlungsempfehlungen, UBA Texte 155/2023. www.umweltbundesamt.de ↩︎
  8. BMEL (2023): Regionale Lebensmittel – transparent gekennzeichnet eine gute Wahl. www.bmleh.de ↩︎
  9. Edringer, C., Roehl, R. Stengel, E. (2023): Besser essen in Kantinen und Mensen, Analyse der Anbieter- und Nachfrageseite anhand von Beispielen guter Praxis und Handlungsempfehlungen, UBA Texte 155/2023. www.umweltbundesamt.de ↩︎
  10. BzfE (2025): Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung, Mensa, Kantine und Co. für die Ernährungstransformation nutzen. www.bzfe.de ↩︎
  11. Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichem Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2023): Ernährungsarmut unter Pandemiebedingungen. www.bmel.de ↩︎
  12. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2023): Wenn der Teller leer bleibt – Fachtagung zur Ernährungsarmut in Deutschland. www.dge.de ↩︎
  13. IT.NRW (2024): NRW: 3,3 Millionen Menschen waren 2023 armutsgefährdet. www.it.nrw ↩︎
  14. BMLEH (2024): Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktuelle Zahlen zur Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren. www.bmleh.de ↩︎
  15. Verbraucherzentrale (2025): Essen außer Haus: Was in Töpfen und auf den Tellern bleibt. www.verbraucherzentrale.de ↩︎
  16. Kruse, Sylvia (2021): Akteure und ihre Beiträge zur großen Transformation in ausgewählten Handlungsfeldern. Transformation kommunaler Ernährungssysteme durch staatliche und nicht-staatliche Akteure. www.arl-net.de ↩︎
  17. Hanke, G., von Mering, F., & Wunder, S. (2023): Regionalisierung von Ernährungssystemen: Einschätzung von Nachhaltigkeitspotentialen und Darstellung politischer Handlungsansätze. www.umweltbundesamt.de ↩︎