Unterwegs — Organic Future Camp & Öko-Feldtage

Das BMLEH hatte zum Organic Future Camp junge Menschen unter 32 Jahren eingeladen, in einem partizipativen Prozess die Vision der zukünftigen Landwirtschaft und Ernährung in Deutschland zu erarbeiten – vorgestellt wurde sie vergangenen Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion auf den Öko-Feldtagen, die dieses Jahr auf dem Wassergut Canitz in der Peripherie Leipzigs stattfanden. FoodConnectRuhr war mit der “regionalen-Wertschöpfungsketten-Brille” auf den Events vertreten. 

Teilnehmende sitzen vor einer Bühne auf der Wiese

Denn auch wenn wir qua unseres Projektrahmens “Modellregionenwettbewerb – Ernährungswende in der Region” die Lupe explizit auf das Dortmunder Agrar- und Ernährungssystem halten, befinden wir uns nicht auf einer Insel. Kooperation, Weitblick und Wissenstransfer sind handlungsleitend. In vielen Regionen Deutschlands wächst der Wunsch nach resilienten Regionen, der Stärkung regionaler Wertschöpfungsräume und nach einer Ernährungsweise, die uns nährt und Rücksicht auf unsere planetaren Grenzen nimmt. Übersetzt wurde dieser Anspruch u.a. in diese Forderungen:

Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft

  • setzen auf die Stärkung stets vorrangig regionaler Wertschöpfung und transparenter Lieferbeziehungen durch lokale Netzwerke und Kooperationen.
  • fordern eine Förderpolitik, die auf die Honorierung von Gemeinwohl und Ökosystemdienstleistung ausgelegt ist und nicht auf pauschale Flächensubventionierung. Dies unterstützt eine vielfältige Agrarstruktur und damit insbesondere kleine und mittlere Betriebe entlang der Wertschöpfungskette.

Dieser Aspekte sind nur zwei Forderungen aus dem 16-Punkte-Plan, der am 18.6. dem BMLEH übergeben wurde (Quelle: www.bmel.de)

Alle Forderungen des 16-Punkte-Plan anzeigen

1) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft wählen das Prinzip der Vielfalt als Basis ihres Entscheidens und Handelns und bringen es in allen Bereichen der Wertschöpfungskette zur Wirkung. Geschlechtergerechtigkeit und die Berücksichtigung intersektionaler Diskriminierungen sind Voraussetzungen für Vielfalt.

2) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft beinhalten Kreisläufe und Ressourcen. Sie setzen sich ein für das Denken und Arbeiten in Kreisläufen, für eine generationengerechte Ressourcennutzung und die aktive Verhinderung von Verschwendung in jeder Stufe des Systems.

3) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft setzen auf die Stärkung stets vorranging regionaler Wertschöpfung und transparenter Lieferbeziehungen durch lokale Netzwerke und Kooperationen.

4) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft fordern praxisorientierte Bildungsangebote in allen Gesellschaftsschichten, um Einblicke vom Acker auf den Teller zu verstetigen. Das bedeutet, niedrigschwellig intergenerationelles Lernen zu erhalten, ökologische Kenntnisse zu vermitteln und ein stabiles Basiswissen aufzubauen.

5) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft brauchen die Stärkung und Förderung ländlicher Räume, insbesondere in Bezug auf Care,- Mobilitäts-, Bildungs-, Gesundheits- und Kulturinfrastrukturen, um die Attraktivität ländlicher Räume zu stärken und sozial gerechter zu machen.

6) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft verlangen Arbeitsbedingungen, bei denen Arbeitsschutz, Aufklärung über Arbeitsrechte, Sensibilisierung für Machtverhältnisse, Relevanz psychischer und körperlicher Gesundheit, faire Entlohnung und soziale Absicherung selbstverständlich sind.

7) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft benötigen attraktive inklusive Ausbildungsbedingungen. Dies bedeutet eine ganzheitlich agrarökologische Lehre, die beständig partizipativ aktualisiert wird, praxisbezogen ist, Lehrkräfte fortbildet und einen niedrigschwelligen (Quer)Einstieg ermöglicht.

8) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft fordern Zugang zu Land durch den Schutz von Land vor Ausverkauf, durch die Verabschiedung wirkungsvoller Agrarstrukturgesetze und durch die sozial-ökologisch ausgerichtete Land-nutzung.

9) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft fordern eine Förderpolitik, die auf die Honorierung von Gemeinwohl und Ökosystemdienstleistung ausgelegt ist und nicht auf pauschale Flächensubventionierung. Dies unterstützt eine vielfältige Agrarstruktur und damit insbesondere kleine und mittlere Betriebe entlang der Wert-schöpfungskette.

10) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft verlangen die Stärkung bäuerlicher Höfe und weiterverarbeitender Handwerksbetriebe und stellen sich gegen ernährungsindustrielle Großkonzerne und ihre Monopole, Kartelle, ihre politische Macht und Patente.

11) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft brauchen eine flächengebundene artgerechte Tierhaltung, im Sinne von Food-Feed-Fuel, mit deutlich reduzierten Tierzahlen, robusten Rassen, mehr Weidehaltung und einem angepassten Tiergesundheitsmanagement.

12) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft fordern verschiedenste Formate von Betriebsübergaben und alternative rechtliche Rahmenbedingungen auch für kollektive Betriebsstrukturen und gemeinschaftliches Landeigentum.

13) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft fordern die stärkere Förderung des Ökolandbaus als staatlich kontrolliertes ganzheitliches System, dessen Umweltleistungen anerkannt sind. Wir setzen uns auch ein für die Stärkung agrarökologischer Praktiken in der gesamten Landwirtschaft.

14) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft setzen auf einen Ansatz, der Innovation und Nachhaltigkeit systemisch angeht, statt sich auf kurzfristige technische Versprechen ohne Nutzen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu verlassen. Daher lehnen wir die geplante Deregulierung gentechnisch veränderter Organismen aus neuen Gentechniken ab.

15) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft brauchen konzeptbasierte Existenzgründungsförderung inklusive einer kostenlosen Beratungs- und Koordinationsstelle und vereinfachtem Zugang zu Kapital. Dabei müssen außer- und innerfamiliäre Unternehmensnachfolgen sowie Neugründungen unterschieden werden.

16) Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft sehen es als notwendig an, dass Land- und Lebensmittelthemen Teil des täglichen politischen Diskurses werden und junge Perspektiven dauerhaft aktiv einbezogen werden.

Der Bürgerrat Ernährung, die Zukunftskommission Landwirtschaft, Ernährungsräte und nun auch das Organic Future Camp — viele großartige Ansätze demokratisch, transparent und vielfältig die Agrar- und Ernährungswende voranzubringen und wo nötig relevante etablierte agrarische Strukturen zu erhalten. Austausch zwischen den Regionen und zwischen den Disziplinen, die trockene Hitze während des Organic Future Camps und der Öko-Feldtage als ständige Erinnerung an die Relevanz von Klimafolgenanpassungen und kreative Lösungen für Systemwechsel — Optimismus und Dringlichkeit waren letzte Woche gleichermaßen spürbar.

In einem Workshop von der B2B Vernetzungsplattform nearbuy auf den Öko-Feldtagen ging es dann darum, wie Vernetzer*innen wie wir die Plattform nutzen können, um Wertschöpfungsketten in unserer Region initiieren und stärken zu können. Bottom up, übersichtlich und auf die Bedürfnisse der Praxisakteure angepasst, tragen digitale Plattformen wie nearbuy dazu bei, die Ernährungswende voranzubringen.

Für FoodConnectRuhr nehmen wir viele inspirierende Begegnungen, wertvolles Wissen über unser Agrar- und Ernährungssystem und natürlich die Forderungen der Jugend (Organic Future Camp) und Forschung (Kompetenzteam Forschung Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft, FÖL) als Rückenwind mit in die verbleibenden 2 Jahre Arbeit.